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Antifa

Antifa

Gut, daß wir verglichen haben

 

Die so genannte Antifa, die auf der Straße in der Überzahl war und sich gebärdete wie früher die SA, erzwang von der Polizei die Aufgabe des Schutzes der Rechtspopulisten. Das könnte auch mal umgekehrt sein – eine beunruhigende Perspektive.

Das sagt Henryk M. Broder über jene linksradikalen Demonstranten, die in Köln eine genehmigte Anti-Islam-Kundgebung der rechtspopulistischen Wählervereinigung “Pro Köln” unter dem Applaus der guten Gesellschaft von BAP bis CDU gewaltsam verhindert haben. So beunruhigend es ist, daß Linksextremisten und Zivilgesellschaft im Schulterschluß die Versammlungsfreiheit aushebeln, die eben auch für Organisationen des rechten Randes gilt, solange sie nicht verboten sind, so unsympathisch die so genannte Antifa auch sein mag, so irritierend ist der SA-Vergleich. Müssen es immer die Nazis als Bezugsgröße sein, um Abscheu auszudrücken? Zumal ähnliche Vergleiche in anderen Zusammenhängen mit mehr oder weniger Recht als geschichtsrevisionistisch gelten.

Aber es sollen keine Totschlagvokabeln statt Argumenten in die Debatte geworfen werden. Warum ist der SA-Vergleich mehr als schräg? Weil, wenn man denn eine historische Parallele ziehen will – und warum sollte man nicht, sollten doch in Köln allem Anschein nach die Straßenschlachten aus der Zeit der Weimarer Republik, die mithalfen, jener den Garaus zu bereiten, als Farce nachgespielt werden -, die militante Antifa nicht wie die SA agiert, sondern wie der Rote Frontkämpferbund, die Antifa-Linke der Zwanziger.

Und das ist schlimm genug. Die SA-Analogie braucht’s gar nicht. Denn mit Gewalt gegen Demokratie und Rechtsstaat ging auch der Frontkämpferbund vor. Wenn Broder den Nazivergleich heranzieht, dann deshalb, weil er immer noch der Vorstellung anhängt, die Jungs und Mädels von der Antifa seien doch eigentlich nach wie vor die Guten. Kritikabel ist nicht, daß die Antifa als solche agiert, sondern wie früher die SA. Während die Antifa ihrerseits davon überzeugt ist, gegen die neue SA in Gestalt von “Pro Köln” vorzugehen.

Ohnehin erstaunt die Heftigkeit der Kritik. Schließlich ist es nicht das erste Mal, daß gewalthungrige Linksextremisten unter dem Vorwand des Antifaschismus gegen Personen und Sachen randalieren. Warum wirft Broder der Antifa gerade jetzt SA-Methoden vor? Es wäre hoffentlich ein Irrtum, würde man unterstellen, es hinge mit der politischen Agenda des Gegners zusammen, den sich die Antifa diesmal ausgesucht hat. “Pro Köln” und die Rechtspopulisten und -extremisten aus ganz Europa, die sich in Köln versammeln wollten, haben sich den Widerstand gegen die drohende “Islamisierung” Europas auf die Fahnen geschrieben. Ein Kampf, dem sich auch Broder verpflichtet fühlt. Und in der Tat fällt die Kritik an “Pro Köln” in dem Interview, aus dem das oben angeführte Zitat Broders stammt, recht mau aus. Mauer jedenfalls als die deutliche Abgrenzung Ralph Giordanos, dessen Kritik am Bau einer überdimensionierten Großmoschee in Köln-Ehrenfeld und am islamischen Antisemitismus die Protagonisten von “Pro Köln” für ihre rassistischen Zwecke instrumentalisieren wollten. “Pro Köln ist für mich die zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus, die mich, wenn sie könnte, in die Gaskammer stecken würde”, sagte Giordano. Das saß und tat weh. Warum bekommt Broder so etwas nicht hin?

Vielleicht, weil für ihn nicht “Pro Köln” sondern der Islam die zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus ist. Wer dessen Gegner, und seien sie rechtsextrem, bekämpft, agiert mithin objektiv proislamisch und also profaschistisch. SA eben. Während Kritik an “Pro Köln” und anderen bräunlich müffelnden Anti-Islamophilen dem gemeinsamen Feind, dem Islam, in die Hände spielen würde. Weshalb sie besser unterbleibt.

Der politische Islam – manche sagen, es gibt nur diesen, das bleibe an dieser Stelle erst einmal unentschieden – ist eine totalitäre, freiheitsfeindliche und gewaltverherrlichende Ideologie. Gründe, ihr Vordringen in Europa zu bekämpfen, gibt es genug. Demokraten würden damit kein Problem haben, gäbe es wirklich einen antitotalitären Konsens. Doch die einen verharmlosen die Gefahr, indem sie diejenigen, die vor dem islamischen Totalitarismus warnen, als “islamophob”, wenn nicht als Nazis denunzieren. Und die anderen, zu denen Broder gehört, machen’s nicht unterhalb von Antifaschismus. Deswegen wird vom Islamfaschismus gesprochen, obwohl man genausogut oder besser vom “Islamkommunismus” reden könnte. Denn der Islam propagiert die Gleichheit aller Menschen unter dem Gesetz der Scharia. Eine Herrenrasse kennt er nicht. Er ist gegen Ausbeutung und den Terror der Ökonomie, weshalb ihn viele Linke so lieben. Die nahöstlichen Despoten haben mindestens so viel von Stalin übernommen wie von Hitler. Im Kampf gegen Israel bekamen sie Hilfe von Chruschtschow und seinen Nachfolgern. Aber “Kommunismus!” garantiert eben nicht das selbe Empörungspotential wie “Faschismus!”. Statt der “Notwendigkeit eines neuen Antifaschismus” (gegen Terror, gegen Isamismus, gegen die iranischen Mullahs und ihre Bombenpläne) könnte man auch einen “neuen Antitotalitarismus” propagieren. Nur, das klingt eben nicht so sexy, das wäre irgendwie spießig und konservativ und würde die islamkritische Linke verprellen. Es muß schon mindestens 1938 nachgespielt werden, nur so kann man von Appeasement sprechen und eine antifaschistische Volksfront ins Leben rufen, zu der dann irgendwie auch “Pro Köln” gehört.

quelle: http://ingoway.wordpress.com/2008/09/25/gut-das-wir-verglichen-haben/#more-439

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