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Ist der Nationalstaat veraltet?

 

 

Ist der Nationalstaat veraltet?

Fjordman auf Deutsch

Übersetzte Essays des bekannten norwegischen Bloggers

 

von Fjordman

Aus dem Englischen übersetzt von: BeforeDawn

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Der Originalartikel erschien am 05. 06. 2006 unter dem Titel “Is the Nation State Obsolete?” in The Brussels Journal.

Martin van Creveld ist ein israelischer Militärhistoriker und -theoretiker, der in den Niederlanden geboren wurde, jetzt aber in Israel lebt. Er hat viele Bücher über Militärgeschichte und Strategie verfasst und an vielen militärischen Hochschulen in der ganzen westlichen Welt gelehrt. Ich bin politisch nicht immer der gleichen Meinung wie er; bei einer Suche im Internet fiel mir vor allem dieses Zitat auf: “Angesichts der gegenwärtigen Machtbalance lässt es sich nicht begründen, dass ein nuklearer Iran die Vereinigten Staaten bedrohen würde. Den Ausfällen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zum Trotz, wird die Islamische Republik nicht einmal eine Bedrohung für Israel sein.” Ich widerspreche deutlich. Van Creveld ist Historiker und hat einen guten Ruf, seine Schriften sind klar und deutlich formuliert und bringen die Dinge auf den Punkt. Ich werde ihn dazu heranziehen, ein Licht auf die Kritik zu werfen, die heutzutage gegen den Nationalstaat vorgebracht wird. Die folgenden Zitate stammen aus seinen Aufsätzen bzw. aus den Heften The State: Its Rise and Decline und The Fate of the State, die beide im Internet zu finden sind.

Um seinen Argumenten zu begegnen, werde ich Roger Scruton heranziehen, den herausragenden britischen Denker, von dem ich persönlich sehr viel halte. Die meisten Zitate von ihm sind aus seinem ausgezeichneten kleinen Buch The West and the Rest: Globalization and the Terrorist Threat von dem ein kleiner Teil ebenfalls online zur Verfügung steht. Überhaupt ist alles, was Roger Scruton schreibt, wert gelesen zu werden.

Van Creveld, wie viele andere auch, beginnt seine Erzählung über den modernen Staat mit dem Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1648 beendete. Dieser Krieg, der eigentlich eine Serie von Kriegen war, die 1618 wegen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken und wegen politischer Auseinandersetzungen im Heiligen Römischen Reich begann, wurde hauptsächlich in dem Gebiet, das wir heute Deutschland nennen, ausgetragen. Die Auswirkungen der Kämpfe in Mitteleuropa waren verheerend. In Deutschland kamen mehr als 20 Prozent der Bevölkerung ums Leben. Der Dreißigjährige Krieg war der letzte religiöse Krieg in Europa. Die Beschlüsse, auf die man sich im Westfälischen Frieden einigte, legten den Grundstein für das, was später die modernen Nationalstaaten werden sollten, indem festgelegt wurde, dass die Bürger der verschiedenen Staaten grundsätzlich den Gesetzen ihrer eigenen Regierungen unterworfen sein sollten, überdies wurde in mehr als einer Hinsicht die moderne Diplomatie des Westens in die Wege geleitet.

 

Van Creveld beschreibt es so:

Was das Regierungssystem, das sich in Europa nach dem Dreißigjährigen Krieg bildete, von dem vorhergehenden unterschied, war die Tatsache, dass es eine Körperschaft (des öffentlichen Rechts) darstellte. Zuvor waren die Könige und Kaiser mit den Organisationen, an deren Spitze sie standen, identisch. In meiner Sichtweise war die Tatsache, dass der Staat, anders als alle vorherigen politischen Konstrukte, es fertig brachte, den Herrscher von der Organisation zu trennen, das eigentliche Geheimnis hinter seinem Erfolg. Was den Staat einzigartig machte, war, dass es den Herrscher durch einen abstrakten, anonymen Mechanismus aus Gesetzen, Regeln und Bestimmungen ersetzte.

Van Creveld betont die Rolle, die die Technik bei der Geburt des modernen Nationalstaates spielte:

Die Rolle, die die Presse bei der Etablierung des Staates spielte, ist nicht zu überschätzen. Später versetzten der Telegraph und die Eisenbahnen den Staat in die Lage, die Bevölkerung unter ihre Kontrolle zu bringen und ganze Länder, sogar Erdteile, mit ihren Netzwerken zu überziehen. Die Rolle von Technologien wie Telefon, Fax, Computer (erstmalig zur Berechnung der Ergebnisse der Volksbefragung in den USA angewendet), Fernstraßen und andere Transport- und Kommunikationssysteme war sogar noch größer als die vorangegangenen Techniken. Ohne diese wäre es für den Staat unmöglich gewesen, die Aufgabe zu konzipieren, die er seit Beginn des 19. Jahrhunderts begonnen hatte: die Erfassung aller Schichten der Gesellschaft, oben wie unten, zu verwirklichen, und das, ohne auf Entfernung oder geographische Besonderheiten Rücksicht nehmen zu müssen.

Die Zahl der Ministerien, zum Beispiel, von denen es während des 17. und 18. Jahrhunderts im Normalfall nur eine Handvoll gegeben hatte, wie das Justizministerium, das Außenministerium, den Kriegsminister, den Finanzminister, ist inzwischen in vielen Ländern auf mehrere Dutzend angewachsen. Jedoch hat die Technik, wie Martin van Crefeld bemerkt, einen Januskopf. Sie gibt den Regierungen die Werkzeuge, mit denen sie ihre Länder regieren, sie überschreitet aber auch die nationalen Grenzen und blockt so Versuche ab, ein Übergewicht an Macht zu gewinnen, wodurch sie eine Vermehrung von Freiheit und Wohlstand ermöglicht, die vorher “gänzlich ohne Beispiel” gewesen ist. Und genau wie die moderne Technologie den Aufstieg der Nationalstaaten ermöglich hat, so trägt sie, ironischerweise, jetzt dazu bei, sie wieder abzubauen:

Der dritte Faktor, der gegen den Staat arbeitet, ist jener Prozess, der mit dem Begriff “Globalisierung” zusammengefasst wird. Im Kern ist die Globalisierung das Ergebnis eines technologischen Wandels, des Zusammenwirkens neuer Transport- und Kommunikationsmittel, die die Welt kleiner und ihre Teile stärker voneinander abhängig gemacht haben. Einige dieser Technologien, wie z. B. Radio, Fernsehen, Satelliten-Fernsehen, Video, Telefon, Fax und das Internet, überwinden ohne Schwierigkeit Staatsgrenzen. Andere, wie die Jumbojets, die jede Woche mehr als eine halbe Million Menschen über den Atlantik befördern, sind überhaupt nur dann effizient einsetzbar, wenn sie nicht durch die Grenzen der Einzelstaaten behindert werden. Diese Technologien haben es nun wiederum möglich gemacht, dass nicht nur Informationen, sondern auch Gelder und Menschen in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit die Staatsgrenzen überschreiten, dass sie sich allen Versuchen, sie zu kontrollieren, entziehen; vielleicht kann man sagen, dass die beiden Faktoren, die am meisten zum Zusammenbruch der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik beigetragen haben, das Verlangen der Menschen nach der D-Mark einerseits und das westdeutsche Fernsehen andererseits waren. Auch haben diese Techniken es privaten, nichtstaatlichen Körperschaften ermöglicht, sich zusammenzufinden und im globalen Maßstab zu fusionieren.

Einige dieser Veränderungen sind wirklich ganz konkret erfahrbar, und nicht aus der Luft gegriffene Behauptungen; ich selber nehme an der Globalisierung teil: während Fjordman in Europa lebt, werden meine Beiträge und Aufsätze auf nordamerikanischen Webseiten veröffentlicht, wie z. B. auf Jihad Watch, faithfreedom.org, und dem Blog Gates of Vienna, und sie haben Leser in Indien und Australien. Die übergroße Mehrheit meiner Leser lebt außerhalb meines Nationalstaats und sie können auf das, was sie lesen, antworten und mit dem Autor kommunizieren. Dieses globale Gespräch zwischen ganz gewöhnlichen Bürgern wäre in der Tat vor einem Jahrhundert unmöglich gewesen.

weiter lesen: http://fjordman.wordpress.com/2009/04/15/ist-der-nationalstaat-veraltet/

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