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Greift Israel noch vor US-Wahlen den Iran an?

WEGEN ATOMPROGRAMM

12. August 2012 15:05; Akt: 12.08.2012 15:23

Dem nahen Osten droht ein weiterer Krieg: Gemäss Medienberichten sind die israelischen Pläne, den Iran anzugreifen, schon weit fortgeschritten. US-Präsident Obama käme dies sehr ungelegen.

storybildBrechen die israelischen Kampfjets schon bald Richtung Iran auf? (Bild: Keystone)

lleingang gegen das iranische Atomprogramm noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten einen solchen Entschluss schon «fast endgültig» gefasst.

Dies berichtete die Zeitung «Times of Israel» am Samstag unter Berufung auf einen Fernseh-Bericht. Netanjahu misstraue der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, die USA würden eine iranische Atombombe notfalls militärisch verhindern. Offizielle Stellungnahmen gab es nicht.

Die Zeitung «Jedioth Ahronot» hatte schon am Freitag über angebliche israelische Angriffspläne berichtet. Allerdings fehle beiden Politikern dazu die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett, hiess es dort.

Nach kritischen Presseberichten über eine mangelnde Vorbereitung der israelischen Zivilverteidigung auf einen Krieg mit dem Iran sagte Netanjahu am Sonntag in der Kabinettssitzung: «Jede Bedrohung der Heimatfront wird bei weitem von einer anderen Bedrohung übertroffen. Es darf dem Iran nicht erlaubt werden, Nuklearwaffen zu besitzen.»

Käme für Obama sehr ungelegen

Aus Sicht von US-Präsident Barack Obama wäre ein israelischer Angriff kurz vor der Wahl ein «Albtraum». Die Regierung in Washington unternehme deshalb alles, das zu verhindern und Sanktionen mehr Zeit zu lassen, schrieb die Zeitung «Jediot Achronot».

So gehe eine angebliche Warnung Saudi-Arabiens, es werde überfliegende israelische Kampfjets auf dem Weg zum Iran abschiessen, nach Meinung israelischer Sicherheitskreise auf eine US- Initiative zurück.

In dieselbe Richtung ziele eine Äusserung des Sprechers des Weissen Hauses, Jay Carney, die USA hätten Echtzeitinformationen über das iranische Atomprogramm. Damit reagierte er offenbar auf Medienberichte, der Iran habe «überraschende» Fortschritte gemacht. Es sei immer noch Zeit für Sanktionen, wurde Carney wiedergegeben.

Israelischen Presseberichten zufolge treibt der Iran die Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes voran. Die liberale und regierungskritische Zeitung «Haaretz» berichtete am Sonntag, der jüngste Lagebericht der US-Geheimdienste sei «in letzter Minute» um Informationen über Fortschritte beim Bau eines Sprengkopfes ergänzt worden. Die neuen Erkenntnisse gingen weit über die der Internationalen Atomenergieagentur hinaus.

Israel ist selber Atommacht

Die inoffizielle Atommacht Israel betrachtet eine mögliche atomare Bewaffnung des Irans als Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet, sie lasse Kernwaffen entwickeln.

Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder nur Druck macht, damit der Iran nachgibt. «Entweder es handelt sich um einen genialen Trick Netanjahus und Baraks, um die USA zum Handeln zu drängen, oder wir haben eine Führung, die total durchgedreht ist», kommentierte die Zeitung «Jediot Achronot» am Sonntag.

Der Ernstfall wird jedoch nicht ausgeschlossen. Die israelische Zivilverteidigung kündigte einen Test für eine landesweite Alarmierung der Bürger im Falle anfliegender Raketen durch SMS an. Frankreich plant im Konfliktfall die Evakuierung über See von etwa 200’000 Franzosen aus Israel. Ähnliche Pläne haben auch andere westliche Länder in der Schublade.

Nach einer Umfrage der Zeitung «Maariv» würden 40 Prozent der befragten Israelis einen Alleingang gegen den Iran gutheissen. 35 Prozent würden hingegen lieber den USA den Vortritt lassen. Dieses Ergebnis bedeute «grünes Licht» für Netanjahu, kommentierte die Zeitung am Freitag.

Die Zeit läuft ab

Angesichts seiner im Vergleich zu den USA geringeren militärischen Schlagkraft bleibe Israel nur noch wenig Zeit, das iranische Atomprogramm wirkungsvoll zu treffen, heisst es weiter.

Je tiefer die Iraner ihre Atomanlagen unter der Erde verlegten, desto geringer würden die Chancen für einen Erfolg, laute Netanjahus Einschätzung. Für ihn gehe es darum, einen «iranischen Plan zur Vernichtung der Juden» zu verhindern.

(sda)

via: http://www.20min.ch/ausland/news/story/23336333

 

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